Soziale Bewegungen in Brasilien: „Wir haben keine Alternative, als zu kämpfen“

Interview

Seit fast einem Jahr ist der rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro an der Regierung. Das Land ist polarisiert, die soziale Lage verschlechtert sich und die Entwaldung im Amazonasgebiet nimmt zu. Über die aktuelle Situation in Brasilien sowie Strategien und Forderungen der sozialen Bewegungen sprach Alexandra Sitenko mit der Aktivistin Silvia Baptista.

Blick auf Favela

Es ist fast ein Jahr her, dass Brasilien ein neues Staatsoberhaupt gewählt hat. Wie hat sich der Alltag verändert, seit Bolsonaro die Wahlen gewonnen und sein Amt angetreten hat?

Jeder Tag ist eine Tragödie. Die Arbeitslosigkeit ist extrem gestiegen. Ich weiß nicht, ob du den Ausdruck „desalento“ verstehst. „Desalento“ wurde zu einem Fachbegriff, der vom brasilianischen Institut für Geographie und Statistik entwickelt wurde. Das ist ein wirtschaftlicher Indikator für insbesondere junge und ältere Menschen, die seit langem nicht mehr am formellen Arbeitsmarkt teilnehmen. Sie geben die Suche nach Beschäftigung als Reaktion auf strukturelle Probleme auf dem formalen Arbeitsmarkt auf und arbeiten in der informellen oder prekären Wirtschaft. Es gibt dafür jetzt auch den Ausdruck "Uberisierung" der Arbeit. Außerdem gibt es Menschen, die noch nie Zugang zum formellen Arbeitsmarkt hatten. Dies gepaart mit der Gewalt, die sich weiter ausgebreitet hat, macht die Situation in Brasilien heute sehr schwierig.

Außerdem hat der gewählte Präsident neben anderen Bereichen die Wissenschaft und Forschung als Feind auserkoren. Die Betriebskosten der Universitäten sind gekürzt worden. Mehrere Programme müssen bereits schließen, einige Universitäten können sich nicht mehr finanzieren, ebenso wenig wie die Forscher/innen. Es ist eine Tragödie, dass die mit den Universitäten abgeschlossenen Verträge nicht garantiert werden können, auch eine autonome, freie Forschung ist nicht möglich. Auch diese Dinge sind Gegenstand der Politik in Brasilien. Viele Universitätsprogramme, vor allem im Bereich der Sozial-und Humanwissenschaften, hat der Präsident für nutzlos erklärt, als er sagte, dass er mehr Wissen, das praktische Ergebnisse produziere, haben wolle. Und das tun die Sozialwissenschaften seiner Meinung nach nicht. Doch das Gegenteil ist wahr, denn das ist der Bereich, wo Menschen die Gesellschaft durch die Suche nach Wissen verändern. Aber das ist genau das, was sie (die Regierung) nicht wollen.

Welche Auswirkungen hat dies auf die sozialen Bewegungen und speziell auch auf die Bewegung, in der du aktiv bist – Coletiva Popular de Mulheres da Zona Oeste in Rio de Janeiro?

Wir haben keine andere Alternative, als zu kämpfen. Wir sind uns dessen voll bewusst, dass wir all unsere Kreativität aufbringen müssen, um auf uns selbst aufzupassen und uns auf das vorzubereiten, was vor uns liegt. Dabei verwenden wir viele verschiedene Taktiken. Eine davon ist, dass wir uns um eine andere Wirtschaft kümmern. Es ist mehr oder weniger das, was man in Anlehnung an Bourdieu als eine praktische oder von Frauen selbstverwaltete Wirtschaft bezeichnen kann. Wir haben hier eine Reihe von Aktivitäten entwickelt. Da ist unsere eigene Landwirtschaft, wir haben eine Reihe von agrarökologischen Messen in der westlichen Zone von Rio de Janeiro ins Leben gerufen, es gibt auch Kunsthandwerk. Zum Beispiel habe ich hier eine kleine Puppe, die handgemacht ist von einer Frau aus unserem Kollektiv. Es gibt viel Innovation, Kreativität in dieser Wirtschaft, in den Solidaritätsnetzwerken von Frauen und auch in den Kommunikationsnetzen. Wir haben eine Organisation, die aus vielen kleinen Gruppen besteht. In meiner Nachbarschaft gibt es insgesamt acht Gruppen.

Wenn wir jedoch versuchen, diese vielen Initiativen zusammenzubringen, dann haben wir Schwierigkeiten, denn die Leute haben Angst. Und zwar nicht nur eine äußere Angst, sondern eine intrinsische, innere Angst vor Repression.

Wie reagieren die sozialen Aktivist/innen auf die neuen bedrohlichen Bedingungen? Welche Formen des Widerstandes gibt es, und gibt es einen Unterschied zwischen einer Großstadt wie Rio und anderen Regionen des Landes?

Ich habe zwei Jahre lang im Amazonasgebiet am Projekt „Fitorixi“ gearbeitet. Für mich war es ein Privileg, an diesem Projekt in der Stadt Oriximiná zu arbeiten und ich kenne auch andere Peripherien. Ich kann also sagen, dass im Wesentlichen der Widerstand in den Peripherien sehr ähnlich ist. Ernährungssouveränität ist ein Thema, das sehr großen Widerstand hervorruft und in hohem Maße hauptsächlich mit Frauen verbunden ist, aber vor allem mit der Landbevölkerung, traditionellen Bevölkerungsgruppen und Gemeinschaften. In der Peripherie bringt dieses Thema viele Menschen zusammen. Denn es ist ein zentrales Element für den Fortbestand der Menschen und spiegelt gleichzeitig die enge Beziehung zwischen Land und Wasser wider. Es geht dabei auch um die Bekämpfung der extremen Armut und die Beseitigung des Hungers – die Ziele 1 und 2 für nachhaltige Entwicklung (SDGs).

"Ernährungssouveränität"

"Ernährungssouveränität"

Der Begriff und das Konzept der „Ernährungssouveränität“ wurde 1996 von der Via Campesina beim Welternährungsgipfel der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) vorgestellt, als eine Alternative zu dem von der FAO geprägten eher technischen Begriff „Ernährungssicherheit“.

In Rio im Bezirk Vargem Grande gab es im vergangenen Jahr das Projekt "Stärkung von Frauen und Jugendlichen", das zusammen mit der FASE (Federação de Órgãos para Assistência Social e Educacional) durchgeführt wurde. Dieses Projekt wurde erfolgreich abgeschlossen. Dabei haben Jugendliche und Frauen eine Schulung in Projektmanagement absolviert und wir haben es geschafft, dass sie weiterhin den Austausch untereinander aufrecht erhalten. Leider haben wir es aber nicht geschafft, sie dazu zu bringen, sich zu einer formelleren Organisation zusammenzuschließen.

Ist es möglich, dieses Projekt auf andere Teile der Stadt auszudehnen?

Die Erweiterung eines solchen Projekts im aktuellen Kontext ist für mich fast unmöglich, denn ein großes Projekt sollte Sichtbarkeit haben. Wir setzen jedoch darauf, die kleinen Gruppen zu erhalten und eine Form der einfachen Kommunikation zwischen ihnen zu schaffen. In diesem (Netzwerk-)Modell ist es wichtig, dass das Kleine fast unsichtbar ist und dass diese Kommunikation zugleich Strategie und Taktik ist, um die Verbindung zwischen den kleinen Gruppen herzustellen. Es ist unmöglich ein Projekt für eine Stadt zu machen, ohne extrem sichtbar zu sein. Und wenn man eine enorme Sichtbarkeit hat, muss man auch seine Natur zeigen. Und unsere Natur besteht darin, die gegenwärtigen Gesellschaftsstrukturen- und prozesse infrage zu stellen. Und deshalb versuchen wir, unsere Initiativen klein zu halten und statt eines großen Projekts lieber mehrere kleine lokale Projekte auf die Beine zu stellen, die später vielleicht in regionale, nationale und globale Netzwerke eingebunden werden könnten. Aber so weit sind wir noch nicht.

Werdet ihr mit Rassismus oder anderen Formen der Diskriminierung in eurer Arbeit konfrontiert?

Ja, aber dazu muss ich dir etwas erklären. Rassismus ist Teil der Struktur der brasilianischen Gesellschaft. Es existiert eine rassistische Diskriminierung, weil es Rassismus in der Wirtschaft gibt, Rassismus beim Zugang zu Wohnungen, es gibt Rassismus in der Schule, in den Medien. Viele von uns waren schon in der Vergangenheit von vielen Möglichkeiten ausgeschlossen. Wenn es beispielsweise in einer linken Organisation eine freie Stelle und dafür eine weiße und eine schwarze Person als Kandidat/in gibt,  braucht es nicht viel, um zu wissen, dass die hellere Haut gewinnt. Weil die dunklere Haut nicht die Möglichkeiten gehabt hat, die die andere hatte. Die Diskriminierung bedeutet also nicht, dass dir gesagt wird, du bist hässlich, weil du schwarz bist, sondern zu sagen, dass reisen darf, wer Englisch spricht. Und das ist auch meine Dankbarkeit, denn ich spreche kein Englisch und bin jetzt hier in Berlin. Ich bin eine einfache Person. Es berührt mich. Das ist also die rassistische Einstellung. Im Allgemeinen wäre es nicht ich (die nach Deutschland fliegen würde), es wäre ein weißes Mädchen, das Zugang zu Möglichkeiten gehabt hat. Also nennen wir diese verpassten Möglichkeiten für schwarze Frauen Rassenrassismus, aber wegen des strukturellen Rassismus, den es seit Langem gibt. Es ist nicht wegen der ethischen, moralischen Frage. Es ist etwas, das in der Geschichte verankert ist, transportiert durch die Vergangenheit. Es ist die Subtilität des strukturellen Rassismus. 

Was sind die Forderungen von Aktivist/innen in Brasilien?

Ich kann nicht für den gesamten Aktivismus in Brasilien sprechen.  Aber aus meiner Sicht als schwarze Frau, die in der Agrarökologie tätig ist und in diesem winzigen Sektor an der Basis arbeitet, müssen wir an der Suche nach Innovation, nach Neuheit in diesem Bereich weiterarbeiten; Das ist strategisch, weil er einerseits die lokalen Ernährungssysteme, andererseits aber die Ernährungssouveränität als politisches Projekt für die Menschheit behandelt. Das ist eine Forderung. Ich denke, dass in der akademischen Forschung das lokale und traditionelle Wissen respektiert werden müssen, das ist etwas, worin man investieren muss. Aber es geht nicht nur darum, Geld zu investieren, es geht darum, Wissen freizusetzen, vor allem in Bezug auf die technologische Frage. Es gibt vieles, was in der Informationstechnologie bedenklich ist und viel Wissen, das wir den Menschen im globalen Süden zugänglich machen müssen.

Im Hinblick auf die brisante Situation in Amazonien halte ich es für eine Priorität, dass die Völker des Regenwaldes ihre wirtschaftliche Autonomie haben, die traditionelle Wirtschaft beibehalten können, die sie betreiben. Es werden viele Dinge zum Schutz der traditionellen Waldnutzung getan, aber ich denke, dass es schwierig ist, mit dem ursprünglichen Wald zu überleben. Das sollten wir zusammen mit den lokalen Waldgemeinschaften und in ihrer Sprache untersuchen. Das ist eine weitere Priorität. Und mit „einer weiteren“ meine ich nicht, dass die erstgenannte Forderung wichtiger ist als die zweitgenannte, sondern, dass es eine Verbindung zwischen ihnen gibt. Wir müssen Aufschluss darüber haben, wer diese Agrarunternehmen und Viehzüchter sind, die den Cerrado und das Amazonasgebiet durchdringen. Sie haben ihre eigenen Netzwerke und wir müssen wissen, welche das sind. Der Unternehmer in Amazonien, der Druck ausübt, arbeitet mit dem Eigentümer zusammen. Die Frage ist, wer ist dieser Eigentümer? Für uns vor Ort ist es schwierig, das herauszufinden, daher brauchen wir dafür internationale Unterstützung. Es sind Teile des Kapitals, die unser Gemeinwesen bedrohen. Wer steht hinter diesem Kapital? Es ist die gleiche Situation, wie in dem Gebiet in Rio, in dem ich wohne. Dort findet ganz viel Immobilienspekulation statt, die oft in den internationalen Kontext eingebettet ist.

Und schließlich denke ich, dass wir die Morde in den Favelas von Rio de Janeiro als einen Schwerpunkt betrachten müssen. Dies wirkt sich direkt auf unsere Fähigkeit aus, uns zu organisieren. Ein Schuss in der Favela, ein Hubschrauberschuss auf eine Favela ist einschüchternd. Ein (verlorenes) Leben in der Favela ist ein ebenso großer Verlust wie ein Brand im Amazonasgebiet. Ich sage, dass Amazonien nicht wichtiger sein kann als das Leben eines Favela-Bewohners oder einer Favela-Bewohnerin. Warum können die Medien ihre Aufmerksamkeit nicht auf beides richten? Oder noch besser auf drei Dinge, denn das aktuelle Wirtschaftsmodell, das auf Erdöl basiert, ist ebenfalls eine Tragödie. Wenn man alle auftauchenden Probleme auf einmal betrachtet, kann man eine Beziehung zwischen ihnen erkennen. Diese Probleme müssen als ein Ganzes und nicht voneinander getrennt gesehen werden. Ich finde es sehr schwierig, sich mit dem großen Ganzen zu befassen, aber ich lade dazu ein, dass wir uns den größeren Kontext anschauen, in dem diese Probleme entstehen und nach Gemeinsamkeiten zwischen ihnen suchen. Denn es gibt einen Zusammenhang zwischen dem, was im Amazonasgebiet geschieht und dem, was in der Favela in Rio de Janeiro, in Recife, geschieht.

Daran anknüpfend bezieht sich meine letzte Frage auf deinen Aufenthalt in Berlin im Rahmen des Projektes „Situiertes Wissen/Globale Ökologie“. Du bist als Expertin für sozialökologische Themen eingeladen worden. Wo treffen Feminismus, Aktivismus und Ökologie aufeinander? Kann diese Symbiose neue Ansätze zur Erhaltung des Regenwaldes und für ein harmonischeres Zusammenleben in der brasilianischen Gesellschaft hervorbringen, sei es zwischen der Favela und anderen Stadtteilen in Rio oder zwischen einer Großstadt in Brasilien und dem Amazonasgebiet?

Eine tolle Frage, vielen Dank. Die Frage fasst bereits unseren Versuch zusammen, eine Symbiose zwischen traditionellem lokalem Wissen und der akademischen Forschung, zu der wir arbeiten, zu schaffen. Um diese Frage zu beantworten, möchte ich auf einen historischen Gedanken zurückkommen. Auf die Aufklärung und dann das Entstehen des Kapitalismus. Der Kapitalismus schuf den Begriff der Rasse. Er schuf den binären Begriff von Männern und Frauen. Biologisch gesehen wirst du also als Mann oder als Frau geboren. Obwohl viele Völker Afrikas, indigene Völker nicht über diesen Binarismus verfügten. Und dann wurde Frauen nach und nach immer mehr die Pflegearbeit als Aufgabe auferlegt. Daneben gibt es die strukturellen, wirtschaftlichen Fragen, die für die Gesellschaft von noch größerer Bedeutung sind. Und hierbei müssen zwei Dinge erwähnt werden: Zum einen sind wir (Frauen) die Verliererinnen des globalen Kapitalismus, besonders schwarze Frauen. Das ist eine Tatsache. Wer hat dieses Problem verursacht? Wer ist für die Brände im Amazonasgebiet verantwortlich? Wer verbrennt das Erdöl? Wer tötet in den Favelas? Es waren nicht die Frauen, die diese Probleme verursacht haben. Und wer auch immer diese Probleme geschaffen hat, wird sie nicht lösen. Daher organisieren sich die Frauen und lehnen sich gegen dieses Modell auf. Wir verstehen dies als einen Widerstand gegen das kapitalistische Patriarchat. Und genau damit hat die Unterdrückung der Frauen, die sich in feministischen Bewegungen zusammenschließen zu tun, denn darin kommt genau diese Konstruktion des aufständischen Wissens gegen das kapitalistische Patriarchat zum Ausdruck. Das ist ein Teil meiner Antwort.

Jetzt kommt der zweite Teil: Als die Geschichte uns diese Pflege des Haushalts auferlegt hat, hat sie uns auch eine komplexe Sicht auf das Ganze mitgegeben. So haben wir Frauen eine mentale Vorbereitung, um mit diesen verschiedenen Problemebenen umzugehen und Verbindungen zwischen den sozialökologischen Problemen, die den Planeten heute plagen, und unserem eigenen Leben zu schaffen. Jetzt, wo ich das gerade sage, fühle ich mich als Erbin einer anderen Weltanschauung als die, die die Welt heute dominiert. Deshalb lade ich uns alle dazu ein, uns stärker damit auseinanderzusetzen, wie wir mit Problemen umgehen. Und wenn es etwas gibt, womit wir uns vertieft auseinandersetzen können, sollten wir das als eine Möglichkeit sehen. Soviel zur Denkweise, die in ihrem Wesen feministisch ist, vor allem wegen ihrer Verknüpfung mit dem Körper, dem Territorium, dem Haus, der Stadt und der Welt. Manchmal fühle ich mich ein wenig verrückt, wenn ich das denke.

Wir sagen in Brasilien, dass es ohne Feminismus keine Agrarökologie gibt. In der bäuerlichen Landwirtschaft oder den Familienbetrieben wird die Arbeit von Frauen oft unsichtbar gemacht. Die Frau ist meistens dafür verantwortlich, die Nahrungsmittel anzubauen, die die Familie das ganze Jahr über versorgen. Und der Mann verkauft die Lebensmittel und bringt das Geld, dabei bleibt der Produktionsbeitrag der Frau völlig unsichtbar.

Aber ich will mich nicht nur auf diesen Aspekt fixieren, sondern, wie bereits erwähnt, will ich zu einem allumfassenden Ansatz gelangen. Und da geht es um das Thema des aufständischen Denkens von Frauen und die Fähigkeit der Frauen, sich mit umfassenden Themenkomplexen zu befassen, indem sie ihr Engagement aufrechterhalten und die Mikrobeziehungen, die die Agrarökologie ausmachen, verändern. Die Nahrung ist mit dem Leben und der Erhaltung des Lebens verbunden und ist von besonderem Interesse für Frauen. Und hier kommt die Verbindung der Agrarökologie mit Feminismus und der Frauen mit der Stadt. Warum mit der Stadt? Weil die Stadt viele Menschen zusammenbringt und wenn diese Menschen, Frauen vor allem, entscheiden, sich darüber bewusst zu werden, was auf ihrem Tisch steht und in ihrer Küche (ohne Frauen in der Küche verdinglichen zu wollen), beginnen sie einen wichtigen sozialökologischen Kampf. Und genau das haben wir bereits getan. Wir haben wir uns mit den Frauen in den ärmsten Bezirken von Rio de Janeiro in einer Diskussion damit auseinandergesetzt, was wir essen, wenn wir uns ernähren. Wenn ich ein Steak auf meinen Teller lege, muss ich wissen, was genau ich esse. Hier kommt der politische Aspekt rein und all diese Beziehungen des globalen Widerstandes, über die ich bereits gesprochen habe und die auch mit Amazonien zu tun haben.

Vielen Dank!


Silvia Baptista

Silvia Baptista

Silvia Baptista identifiziert sich als schwarze Frau und Quilombola. Sie ist Mitbegründerin des Verbandes der Landwirte von Vargem Grande (Agrovargem), wo sie lokale Strategien im Bereich der Agrarökologie entwickelt. Sie ist Mitglied der Frauenorganisation Coletiva Popular de Mulheres da Zona Oeste von Rio de Janeiro. Sie hat einen pädagogischen Hintergrund und einen Master-Abschluss in Naturwissenschaften und arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fitorixi-Netzwerk: Ethnobotanik und Erhaltung von Heilpflanzen im Amazonas-Biom - Oriximiná Unified Health System - Pará, Brasilien. Derzeit ist sie Doktorandin im Bereich Stadt- und Regionalplanung an der bundesstaatlichen Universität Rio de Janeiro (IPPUR-UFRJ).